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Karlsruhe Karlsruher Profi-Entrümpler erzählt: "Zwei Container mit Pornos"

Die Wohnung des Messie-Nachbarn quillt über vor Dreck. Der Haushalt der Dame von gegenüber muss aufgelöst werden. In solchen Fällen kommt Patrick Rohrer mit seinem Team und entsorgt Müll, Möbel und andere Haushaltsgegenstände. Rohrer ist vor allem Experte für Messie-Haushalte und weiß: Es gibt nichts, was es nicht gibt. ka-news hat mit ihm über seinen Arbeitsalltag gesprochen.

Herr Rohrer, was tun Sie als Entrümpler den ganzen Tag?

Überwiegend räumen wir Privathaushalte - also machen Wohnungsauflösungen nach Sterbefällen oder Umzügen. Unsere Aufgabe ist es, das Objekt übergabefertig für den Vermieter beziehungsweise den Besitzer auszuräumen und zu reinigen, damit dieser es wieder vermieten oder verkaufen kann. Wir räumen aber auch Messie-Wohnungen. Diese Fälle werden immer häufiger. Früher hatten wir eine Räumung dieser Art im Jahr. Mittlerweile haben wir mindestens eine im Monat. Im September mussten wir zum Beispiel fünf solcher Objekte räumen. Auch die Wohnungen von Mietnomaden müssen wir gelegentlich ausräumen. Seltener werden wir zu Zwangsräumungen gerufen. Darüber hinaus räumen wir aber auch Firmen, Büros und Arztpraxen.

Wie viele Einsätze haben Sie im Monat?
Wir räumen täglich und schaffen so durchschnittlich 30 verschiedene Objekte im Monat. Im Normalfall räumen wir zwei Wohnungen am Tag. In Spezialfällen, wie wir im September einen hatten, brauchen wir fünf bis sechs Tage. Das war ein Messie-Haushalt mit zirka 110 Quadratmeter und rund 18 bis 20 Tonnen Müll. Im Normalfall räumen wir ein Objekt in dieser Größenordnung an einem Tag. Wir sind zwar überwiegend im Stadt- und Landkreis Karlsruhe unterwegs, nehmen aber auch Aufträge im Umkreis von rund 150 Kilometern an. Oft werden wir zu Spezialfällen gerufen, weil wir damit mehr Erfahrung haben als ortsansässige Firmen.

Wie gehen Sie bei einer Entrümpelung vor?
So etwas kann man im Speziellen schlecht planen, weil man nie weiß, was einen im jeweiligen Objekt erwartet. Deshalb entscheiden wir immer erst vor Ort. Zu Beginn suchen wir heraus, was man noch brauchen kann. Dann fangen wir an, Möbel abzubauen und Müll zu trennen zum Beispiel nach Holz, Glas und Sperrmüll. Je besser wir trennen, desto günstiger wird die Räumung am Schluss. Die Trennung geht bei uns recht flott, weil wir als einziges Räumungsunternehmen in Karlsruhe unsere eigenen Container haben.

Dürfen Sie die Sachen, die Sie bei der Entrümpelung finden, behalten?
Ja. Wir übernehmen die Wohnung so, wie sie ist. Dann schauen wir, ob und was man von Einrichtungsgegenständen noch verwenden kann. Die gehen dann an unsere Großabnehmer - Flohmarkt- und Möbelhändler. Wenn wir noch viele Dinge verwerten können, wird das bei der Rechnung für den Besitzer der Wohnung gegengerechnet. Mobiliar lohnt sich aber nur, wenn es antik, also mindestens 100 Jahre alt ist oder wenn es noch ganz neu ist. So eine Schrankwand aus den 70ern ist nicht mehr viel wert – selbst wenn sie gehegt und gepflegt wurde. Richtige Schätze habe ich bei den über 3.500 Räumungen, die ich in den letzten zwölf Jahren gemacht habe, allerdings noch nicht gefunden.

Bei so viel Erfahrung, ist man da abgehärtet gegen Ekelwohnungen?
Ja, man härtet mit der Zeit wirklich ab. Solche Haushalte, wie ich sie heute teilweise räume, da wäre ich früher nicht reingegangen. Aber wenn man denkt, man hat schon alles gesehen und wird nicht mehr überrascht beim Anblick einer Wohnung, dann täuscht man sich. Es gibt nichts, was es nicht gibt. Wir erleben deshalb immer wieder Situationen, die uns aufs Neue beeindrucken – im negativen Sinn.

Bekommen die Mieter der Wohnungen, die sie räumen, mit, wenn Sie da sind?
Zum Glück nicht sehr oft. Ganz selten treffen wir die Leute an, die dort wohnen. Bei den Haushaltsauflösungen sind die Bewohner meist verstorben. Bei Messie-Wohnungen sind die Bewohner in der Regel nicht da. Sie haben meistens wenig Angehörige und leben sehr zurückgezogen. Deshalb fällt der Zustand ihrer Wohnung häufig erst auf, wenn sie beispielsweise im Krankenhaus sind. Wenn ein solcher Bewohner bei der Entrümpelung seiner Wohnung dabei ist, gibt es in den meisten Fällen Ärger. Die Leute kämpfen um alles. Eine Frau wollte verfaultes Obst, das wir weggeworfen hatten, wieder aus einem Müllsack herausnehmen. Wir hatten Schwierigkeiten, sie davon abzuhalten.

An welche besonders kuriosen Fälle aus ihrer bisherigen Laufbahn erinnern Sie sich?
Es gibt so viele Dinge, die wir jeden Tag sehen. Da sticht jetzt nichts außergewöhnlich hervor. Aus einer Wohnung haben wir mal tausende DVDs mit Pornofilmen entsorgt. Die standen und lagen in Schränken und Regalen überall in der Wohnung. Sogar im Keller standen Umzugskisten mit Filmen. Die DVDs haben zwei Container von uns gefüllt. Das waren an die 20 Kubikmeter. Da sind die Nachbarn neugierig vorbeigelaufen und haben nicht schlecht geguckt. In einer anderen Wohnung hatte jemand Werbeprospekte gesammelt. Egal welchen Schrank oder welche Schublade wir aufgemacht haben, überall lagen die Prospekte. Sie waren nach Jahrgang und Laden chronologisch sortiert. Trennen mussten wir den Papiermüll zwar nicht. Allerdings hatten wir dann tonnenweise davon, dass sogar die Achse von unserem Anhänger gebrochen ist.

Die Fragen stellte Sandra Schneider.

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  •   tessarakt
    (2356 Beiträge)

    27.10.2012 19:27 Uhr
    Achse vom Hänger gebrochen?
    Das lässt vermuten, dass die ihre Fahrzeuge auch sonst gerne mal überladen ...
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  • unbekannt
    (10716 Beiträge)

    27.10.2012 16:14 Uhr
    Vll hauste da ein Massenkommentator...?
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  •   Makamabesi
    (3025 Beiträge)

    27.10.2012 12:30 Uhr
    Einen
    Entrümpler sollte eins auszeichnen: Verschwiegenheit.
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  • unbekannt
    (481 Beiträge)

    29.10.2012 09:11 Uhr
    solange ...
    ... er keine Namen oder Adressen nennt darf er Anekdoten erzählen so viel er will - wie jeder andere auch.
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  • unbekannt
    (82 Beiträge)

    27.10.2012 11:16 Uhr
    so so
    gute geschäfts idee ....müßte man mal aufgreifen .....
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  •   Torflut
    (2208 Beiträge)

    27.10.2012 06:58 Uhr
    Interessant
    wird es, wenn Schmuck gefunden wird.
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  •   Smartraver
    (7570 Beiträge)

    27.10.2012 08:32 Uhr
    Oder verstecktes Bargeld
    Aber das würde man sicher nie erwähnen hier zwinkern

    Achsbruch? Bisschen überladen die Kiste oder selbst schon schrottwertig? grinsen
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